08.03.2024, 09:47 Uhr

Sicherung des Industriestandorts Brandenburg:
An einer Carbon-Management-Strategie führt kein Weg vorbei

„Für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland – mit Innovation und Technologie zum klimafreundlichen Industrieland“ unter diesem Motto fand heute eine Fachtagung der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg in Potsdam statt. Der Einladung waren zahlreiche Vertreter aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen und der Wissenschaft gefolgt, um sich auszutauschen, wie Wirtschaft in Brandenburg nach marktwirtschaftlichen Regeln klimaneutral werden kann.

In seiner Key-Note wies der Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, darauf hin, dass Klimaschutz Wohlstandssicherung sei, der eine schnelle und tiefgreifende Reduktion von CO2-Emmissionen verlange. Daneben werde die Entnahme, Abscheidung und Nutzung von CO2 zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele unausweichlich sein: „Das Kohlenstoffmanagement muss im industriellen Maße Bestandteil unserer Klimapolitik werden. Wir werden damit aber nicht den Ausstieg aus den fossilen Energien hinauszuzögern können. Vielmehr geht es um den Aufbau einer planetarischen Müllabfuhr, die die Zaghaftigkeit beim Klimaschutz gutmacht - das alles nicht in ferner Zukunft, sondern heute “ so Edenhofer. 

Der Vorsitzenden der CDU-Fraktion Dr. Jan Redmann fordert seit langem eine solche Strategie zum Kohlenstoffmanagement auch für den Industriestandort Brandenburg: 
„Wir wissen, dass Klimaschutz immer dort funktioniert, wo er sich rechnet. CCS ist eine echte Chance um Klimaschutz und wirtschaftliche Wertschöpfung zusammenzubringen. Wir haben im internationalen Wettbewerb schon viel Zeit verloren, andere Länder sind an uns vorbeigezogen. In der laufenden Diskussion, dürfen wir nicht den Fehler machen, die Anwendungsgebiete von CCS politisch zu begrenzen. Jede eingelagerte Tonne CO2 hilft dem Klima und der Wirtschaft.
Eine Chance haben wir noch, die Debatte voranzutreiben und eine Carbon-Management-Strategie auf den Weg zu bringen, bevor der Industriestandort nicht mehr existiert, weil die Unternehmen abgewandert sind. Wir werden die dafür notwendigen dicken Bretter bohren. Denn CCS macht nicht nur Klimaschutz nach marktwirtschaftlichen Regeln möglich, die Technologie hilft auch dabei die dringend benötigte Wasserstoffwirtschaft zur Energiegewinnung hochzufahren. Es ist klar: Zur Sicherung des Industriestandorts Brandenburg führt an einer Carbon-Management-Strategie kein Weg vorbei. “

Weitere Stimmen der Podiumsteilnehmer unterstützen die Forderung der CDU-Fraktion nach einer CMS-Strategie für Brandenburg: 

„Die Dekarbonisierung von Hard to Abate Sektoren benötigt den schnellen Hochlauf einer grünen Wasserstoffwirtschaft und einer CO2 Managementstrategie als Partner der Erneuerbaren Energien. Die Technologien sind erprobt, verfügbar und leisten wichtige Beiträge u.a. zur Dekarbonisierung der Luft- und Schifffahrt sowie der Zement- und Stahlproduktion.
Dr.-Ing. Markus Röhner, Standortleiter Berlin und Head of R&D Engineering Integral Geared Compressors, MAN Energy Solutions SE

„Die Zementindustrie gehört zu den Industrien, für die CCS ein notwendiger Bestandteil einer Dekarbonisierungsstrategie ist. Können wir diese Technologie nicht einsetzen, werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Wir begrüßen eine Carbon Management Strategie auf Ebene des Landes Brandenburg, denn eine lokale Betrachtung der Kriterien für eine erfolgreiche Umsetzung der Industrietransformation sichert langfristig den Standort.“
Rüdiger Kuhn, Vorstandsvorsitzender CEMEX Deutschland AG 

„Während halb Europa bereits CCS-Projekte plant oder betreibt, hat ausgerechnet die Politik des größten Industrielandes der EU die Technologie über Jahre verteufelt. Dabei ist schon lange klar, dass es eine Transformation der Industrie zur Klimaneutralität ohne CCS nicht geben kann. Eine politische Strategie für die Abscheidung und Speicherung derjenigen CO2-Emissionen, die technisch partout nicht zu vermeiden sind, ist zwingend notwendig, um unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Transformation zu erhalten und Industriearbeitsplätze und -standorte zukunftsfest zu machen.“
Matthias Opfinger, Abteilungsleiter Wirtschafts- und Branchenpolitik, IGBCE 

„Für die Chemieindustrie ist der Einsatz von Kohlenstoff aus CO2 eine wichtige Alternative zu fossilen Rohstoffen. CCS und CCU müssen wir als Chance begreifen, da die Technologien wichtige Puzzlestücke sind, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Damit eine Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft schnell Realität werden kann, braucht es die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen und auf der Landesebene sowohl zügige Genehmigungsverfahren als auch ausreichend personelle Ressourcen in den Fachbehörden.“
Torben Schütz, Referent für Energie, Klima und Transformation, Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost

„Wir müssen uns CCS als weiteren Baustein für effektiven Klimaschutz, gerade für die schwer vermeidbaren Industrieemissionen, erschließen. Aber auch für die zukünftig erforderlichen Gaskraftwerke ist die Abscheidung und Speicherung von CO2 entscheidend, um eine bezahlbare, sichere und saubere Stromversorgung zu gewährleisten.“
Dr. Timm Kehler, Vorstand Zukunft Gas e.V.
 


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JAN REDMANN  
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